Das Große Ganze oder: Wofür eigentlich?

Die eigene Wahrnehmung schulen, die Aufmerksamkeit fokussieren, meditieren, die persönlichen Ziele hinterfragen, das Selbstbild erforschen, Wünsche formulieren, Werte definieren... wofür eigentlich?

 

Manches lässt sich ganz gut auf der kognitiven Ebene erklären. Ein kleines Beispiel:
Habe ich gelernt, mich zu fokussieren, meine Konzentration zu bündeln, ohne mich von innen oder außen ablenken zu lassen, so kann ich meine im wortwörtlichen Sinne ungeteilte Aufmerksamkeit meinem Gesprächspartner widmen. Ich kann sehr genau zuhören, kann feinste Stimmungen meines Gegenübers aufnehmen, kann gewissermaßen das Ungesagte "hören" und kann ganz für ihn da, für ihn präsent sein. Das erlaubt einen völlig anderen Dialog als wenn ich "nebenher" noch auf dem Handy tippe oder koche oder sonstwie anderweitig "beschäftigt" bin.

 

Aber wie ist das, wenn ich mich in den Kontext der Gesellschaft stelle? Es scheint so, als ob die oben genannten Fertigkeiten den Anforderungen an Fähigkeiten, die das soziale Leben an mich stellt, zuwider laufen. Flexibilität, Schnelligkeit, Effizienz, Multitasking... das sind die Schlagworte, die mir hier begegnen. Und die menschliche Kommunikation im Alltag scheint davon geprägt, nicht wirklich Anteil am anderen haben zu wollen, sondern nur oberflächlich mal eben schnell in Kontakt zu treten, mehr um der eigenen Darstellung wegen.

 

Nicht wenige Menschen sind daher auf der Suche... und wenn sich der Sinn des eigenen Lebens schon nicht so recht erschließen mag, so beruhigt man sich mit einem "Seelenplan", der allem zugrunde liegt und der das Unerklärliche als wunderbare Fügung, das Unfassbare zumindest als notwendige Erfahrung deklariert. Zugegeben, das liest sich jetzt als pure Provokation. Soll es aber gar nicht sein! Es ist nur so: mir scheint, dass es auch eine ganz naheliegende Antwort auf die eingangs gestellte Frage gibt.

 

Ich glaube, mein Leben muss nur mir, meinen Ansichten, meinen Werten, Zielen, Wünschen, Anforderungen... genügen. Lebe ich ein Leben, das mir so gut als möglich entspricht, habe ich das Beste getan.
Für die hiermit sofort auf den Plan gerufenen Kritiker: ja, ich weiß, nichtsdestotrotz habe ich eine gesellschaftspolitische Aufgabe als Mitglied ebendieser Gesellschaft und es gibt Normen, denen ich genügen muss, ethische Grundsätze, die unverrückbar sind und Werte, die ich akzeptiere, es gibt ja auch Traditionen, die ich weitergebe und mir ist klar, dass ich als Individuum nur innerhalb einer Gesellschaft lebensfähig bin... Ganz klar sei daher an dieser Stelle gesagt: Ich darf und will mit meinen Handlungen und dargelegten Gedanken niemanden zu Schaden kommen lassen und auch niemanden zu seinem Schaden beeinflussen!

Hier geht es um die Frage nach dem Sinn des Lebens und auch, einen philosophischen Schritt weiter, nach dem Sinn, den Sinn des Lebens überhaupt zu suchen und wenn ja, wo.

 

Ich sehe mein Leben wie einen Mikrokosmos als Teil eines Goßen Ganzen. Das bedeutet für mich: ich übernehme für mich und mein Leben die Verantwortung, das schließt die verantwortliche Fürsorge für mein direktes Umfeld, meine Familie und die mir anvertrauten Tiere und Pflanzen meiner Auffassung nach mit ein. Und, das ist mir bewusst, ich gestalte und präge mit meinem Handeln, meinen Wertvorstellungen, meinen Idealen... kuzum: meiner Persönlichkeit mein Umfeld. Mikroskopisch klein im Vergleich zum Universum, riesengroß in meinen Augen, vielschichtig, facettenreich und ungemein aufregend. Das Große Ganze erschließt sich mir dann vielleicht tatsächlich (immer noch) nicht, vielleicht erlange ich diese Weisheit in einem anderen Leben oder in einer anderen Dimension oder vielleicht kann ich als Mensch auf dieser Erde nie das Ganze in seiner Größe begreifen. Aber das ist dann auch nicht mehr so wichtig! Hauptsache, ich bin mit mir in meinem Leben, jetzt und hier, so wie ich das hinkriege, mit allen Tiefs und Hochs und Drunters und Drübers zufrieden und zuzeiten auch einfach "nur" glücklich.