Akzeptanz

Mit der Akzeptanz ist das so eine Sache: achtsame Wahrnehmung und (Selbst)Akzeptanz liest sich flüssig, klingt schlüssig, ist aber alles andere als schlicht oder einfach umzusetzen. Und so steht dieser Beitrag für all jene, die sich auch ein wenig schwerer tun und sich über Anregungen dazu freuen:

 

Meine letzte Prüfung in Sachen "Akzeptanz dessen, was ist" war erst vorgestern abend: Eine unserer Katzen war noch spät unterwegs, das ist nichts Ungewöhnliches und nichts, weshalb man sich Sorgen machen müsste, denn sie kommt normalerweise vor Mitternacht wieder heim. So auch dieses Mal, ich sah sie schon über die beleuchtete Straße trippeln, nur wurde sie vom rabiaten Nachbarskater an einer kleinen Mauer kurz vor unserem Grundstück abgepasst und in die Flucht geschlagen. Ich konnte nur zugucken und war zu bestürzt und viel zu langsam, um zu reagieren. Der Kater hat (nicht das erste Mal!) gewonnen, unsere Katze war weg und zurück blieb ich mit einer Mischung aus Wut und Frust und Sorge. Rund eine Stunde habe ich gebraucht, um den Aus-Knopf für mein Kopfkino zu finden und mich ein bisschen zu beruhigen und dabei mir selbst gut zuzureden, dass die Katze bestimmt am nächsten Morgen wieder vor der Tür steht, sie sich also nicht etwa umgehend eine neue Familie mit katerfreier Umgebung sucht, dass unsere Katze auch nicht hilflos verblutend im Straßengraben liegt oder in Panik so weit weggelaufen ist, dass sie die Orientierung verloren hat und auch, dass es nicht hilfreich ist, den Kater gedanklich unter die Guillotine zu bringen. Rund eine Stunde, um von dem Drama, das sich in meinem Kopf wie von selbst inszeniert hat, Abstand zu nehmen und um mir klar zu machen: Ja, unsere Katze ist jetzt nicht zu Hause, sie wird die Nacht draußen verbringen und das Beste, was ich jetzt tun kann, ist, endlich ins Bett zu gehen und versuchen zu schlafen. Punkt.

 

Akzeptanz kann auch eine ganz andere Facette haben:

Das eigene Leben, die verschiedenen Lebensstationen in der Rückschau mit einem mitfühlenden, nicht-verurteilenden Blick betrachten, zu sehen, wie es wirklich war/ist, ohne die weniger schönen Seiten allzu positiv darstellen zu wollen, aber auch ohne sich selbst alllzu sehr zu kritisieren oder schlecht zu reden. Der Tenor könnte lauten: Ich muss durchaus nicht alles gut finden, was in meinem Leben so passiert ist und die eine und andere Entscheidung würde ich im Nachhinein vielleicht nicht wieder so treffen... und doch ist es MEIN Leben, es ist meine persönliche Geschichte, es sind meine Entscheidungen, es sind meine Erfahrungen und so wie es ist, ist es.
Und Selbst-Akzeptanz? Bedeutet in meinen Augen, mich selbst mit all meinen Wünschen, meinen Träumen, meinen Sorgen, meinen Ängste... so annehmen, wie ich bin. Ohne Wertung.

Ich finde das mit am schwierigsten, weil ich feststelle: Statt mir selbst mit Mitgefühl und Liebe zu begegnen, fällt es mir offenbar leichter, mit Selbstkritik parat zu stehen, mich leistungsorientiert an anderen zu messen oder völlig überzogene Erwartungen an mich zu stellen und mich dann schlecht zu fühlen, weil ich selbige nicht erfülle und wohl auch nie erfüllen kann. Der Blick auf mich selbst ist dann reichlich verzerrt. Und Selbstwert oder Akzeptanz suche ich dann vergebens.

 

Ich glaube, um hier etwas zu ändern, müssen wir weniger etwas tun als etwas lassen. Wir brauchen Stärke für unsere Schwächen, wir brauchen Weitblick für die eigene Wahrnehmung und Selbstvertrauen, um die Verantwortung für uns und unser Leben zu übernehmen. Doch statt dessen sind überkommene Überzeugungen am Werk, die mir all das verwehren. Die Gründe dafür können vielschichtig sein und es lohnt sich, dem nachzuspüren, um solche zutiefst selbstschädigende Muster aufzuspüren. Und um sie, einmal erkannt und entlarvt, aus dem eigenen Leben zu entlassen. Die Frage, die sich dann stellt, lautet meines Erachtens: Lebe ich gemäß meiner eigenen, tiefsten Wahrheit oder tue ich mein Möglichstes, um Tag für Tag die Erwartungen anderer zu erfüllen?

Spätestens jetzt ist es an der Zeit, auf die Suche zu gehen. Nach dem, was mir selbst wichtig ist, was mich ausmacht, was mir Freude bereitet, wo meine Talente liegen, was mich wirklich interessiert... um einen anderen, leichteren, im besten Sinne unbeschwerten Zugang zu mir selbst zu bekommen. Und es ist hilfreich, sich immer wieder bewusst zu machen: auf dieser Suche nach Erkenntnis und nach mir selbst bin ich selbst zugleich mein bester Lehrer. Ich bin meine oberste Priorität. Nicht die Anderen. Nicht ihre Erfahrungen. Nicht ihre Lehren.

 

Es gibt keine universelle Wahrheit - außer der eigenen.

Es geht darum, nach innen zu schauen, sich im Innen zu verankern.

Dort ein Lächeln pflanzen...

... trägt (mich) im Außen, im Alltag, im Leben.

 

Was übrigens unsere Katze betrifft: am nächsten Morgen war sie pünktlich wieder da, unversehrt und putzmunter. Ich hatte in der Nacht nicht gut geschlafen - aber ich hätte genausogut auch tief und entspannt schlafen können. Das hätte keinen Unterschied gemacht! Heute, während ich hier schreibe, ist sie wieder unterwegs... und ich versuche daran zu lernen, der Situation mit Achtsamkeit, ohne selbstgemachtes Drama und mir selbst mit Mitgefühl für meine Sorge um unsere Katze zu begegnen. Das macht einen großen Unterschied. Es stellt sich mehr Gelassenheit ein! Vor allem aber agiere ich nicht gegen mich mit kontraproduktivem Kopfkino, sondern ich kann mich selbst in meiner Sorge besser verstehen - und das reicht, um es dann auch dabei zu belassen. Ein Schritt weiter in Sachen Akzeptanz üben...