Herbst

Es wird Herbst. Abends kann man es riechen, an manchen Morgenden steht der Nebel über dem naheliegenden Feld. Einen Sommer lang habe ich rückblickend gekämpft. Mit mir, mit der Situation, mit so mancherlei Umständen, mit Krankheit, meiner und vor allem auch der meines Ponys, mit Unvermögen und Verzweiflung, mit Rückschlägen und Enttäuschung.. Ich bin des Kämpfens müde! Ich versuche gerade aus diesem schon so lange währenden Kampf-Modus auszusteigen und ihn durch eine grundlegend andere Haltung zu ersetzen. Das geht nicht über den Kopf (wäre das so einfach, wären Psychologen arbeitslos und Mental-Coachings nicht so auf dem Vormarsch!), aber vielleicht durch kleine Veränderungen, die weitere Möglichkeiten nach sich ziehen. Ich stelle mir das vor, wie die Kreise, die ich sehen kann, wenn ich einen kleinen Stein in einen See werfe.. der Stein ist nicht mal daumengroß, die Wellen, die sich konzentrisch ausbreiten, scheinen so groß wie Hula-Hoop Reifen.

 

Zwei dieser klitzkleinen Veränderungen möchte ich hier vorstellen:

Ich versuche, die Dinge weniger persönlich zu nehmen.

Und ich versuche, Dankbarkeit mir und meinem Leben gegenüber zu etablieren.

Die Dinge weniger persönlich zu nehmen macht einen Abstand möglich. Vielleicht ist der Abstand sehr klein, aber es ist ein Abstand und der verhindert, dass ich mich zum Beispiel im Kopfkino oder in Gefühlsstürmen verliere und ermöglicht zugleich, dass ich mit Bedacht und nötiger Umsicht handeln kann. Oder auch einfach nur abwarten, bis ich wieder entscheidungsfähig bin. Diese Haltung erlaubt mir eine Pause, wenn ich eine Pause brauche. Etwas nicht persönlich zu nehmen, heißt nicht, dass mir alles egal wäre. Es bedeutet für mich, Raum zwischen einer Sache/ einem Ereignis/ einer Person und mir zu schaffen und damit eine Grenze zu setzen. Eine mich schützende und damit sehr, sehr wichtige Grenze.

Dankbar zu sein ist eigentlich sehr leicht - dachte ich. Echte Dankbarkeit zu spüren erfordert, so erlebe ich das, aber doch etwas Übung. Dann aber ist es ein wundervolles Gefühl, das mich trägt und mir sprichwörtlich den Tag erhellt. Dankbar bin ich für so Vieles, was meinen Alltag reicher macht und lebenswert, von der morgendlichen Laufrunde über den leckeren Kaffee bis zur kuscheligen Katze, die sich zu mir setzt und zufrieden schnurrt...

 

"Der Herbst zeigt uns, wie wunderschön es sein kann loszulassen"
(Verfasser unbekannt)

 

Es wird Herbst, für mich auch in meinem Leben. Rückblickend war mein Leben bunt, ereignisreich und mit vielen Höhen und Tiefen, mal sehr, sehr laut und manchmal auch ungeheuerlich still. Jeder von uns lebt sein eigenes Leben und geht anders mit den Ereignissen, Herausforderungen, Umbrüchen um. Doch jedem von uns wünsche ich, dass er oder sie mit Dankbarkeit zurückblicken kann und das eigene Leben als lebenswert und wertvoll empfindet. Für mich war das nicht immer so. Daher weiß ich, dass das nicht immer einfach ist. Und wie wichtig es ist, die eigenen Grenzen auszuloten, zu setzen und zu achten. Zumeist sind wir es nämlich selbst, die die eigenen Grenzen ignorieren, übertreten, verletzen. Und damit uns selbst schaden im Übereifer eines vielleicht gar nicht so notwendigen Aktionismus? Ich glaube, mit ein klein wenig Geschick ist der Herbst in meinem Leben eine wundervolle Zeit, reich an erfüllenden Momenten, nährenden Begegnungen, getragen von Achtung und im besten Sinne Stolz mir selbst gegenüber. Ebenso wie der Herbst eine wunderschöne Jahreszeit sein kann, farbenprächtig, stürmisch zuweilen, eine Zeit der Ernte und der sinnlichen Gaumenfreuden.. ein Abschied vom Sommer im Wissen um den nahenden Winter.