Was da war und wie es dazu kommen konnte
In den vergangenen Jahren bin ich unglücklicher und unglücklicher und unglücklicher geworden. Ausgelaugt. Dauermüde. Depressive Phasen, zum Teil sehr lange anhaltend. Selten von Herzen gelacht.
Selten wirklich Freude an dem gehabt, was ist.
Diverse Artikel und Bücher gelesen. Mir Botschaften mitgenommen. Am Meer gewesen. Im Wald spazieren. Gespräche geführt. Mir zig Mal einen Richtungswechsel vorgenommen. Ins Training gegangen. Den
Stress versucht wegzulaufen. Meditiert. Wieder den Faden verloren. Und immer und immer wieder ins Loch gefallen.
Von einem zum nächsten Mal mir vorgenommen:
Jetzt wird es besser. Wirklich. Aber dann war es eben doch nicht so.
Gerade die letzten Monate waren.. genau genommen unsäglich.
Und jetzt, seit Ende Mai, sind da vier Bandscheibenvorfälle. Vier. Auf einmal. Der Körper sagt „NEIN“. Eine erzwungene Auszeit. Aber warum???
Alles auf NEU – oder nicht?
Vier Bandscheibenvorfälle auf einmal sind vielleicht ganz ausreichend als Signal für eine offensichtlich notwendige Kurskorrektur. Mir ist nach Neuanfang.
Aber.. wie sieht mein Neuanfang aus?
Was ist meine Erkenntnis? Was ist grundlegend anders als vorher?
Möglicherweise ist meine Vorstellung, die das, was ich so sehnlichst erwarte, genau verhindert. Ich habe mir allzu oft gewünscht, dass ich aufwache und peng! alles anders ist. Ich „erleuchtet“
bin und alles ist da: Freude, Glück, Zufriedenheit. Freiheit, das vorbehaltlose Im-Augenblick-SEIN. Die Gelassenheit, in mir zu ruhen. Mit den Anderen auszukommen, egal wie sie gerade drauf sind.
Meditieren zu können. Regelmäßig. Den inneren Frieden zu finden. Alles locker und leicht und ganz im Flow.
So ist es aber nicht. Und so war es vermutlich bei ganz vielen anderen Menschen auch nicht. Es ist ein Prozess. Manchmal außerordentlich mühsam. Und kräftezehrend. Und alles andere als einfach.
Zumindest mal bis hierhin.
Und jetzt?
Die wirklich einfachen Lösungen sind die besten - glaube ich jedenfalls. Je komplizierter, desto schwieriger ist die Umsetzung im Alltag. Und der Alltag ist das, was das Leben ist. Nicht die
herausragenden Momente, die besonderen Highlights, die persönliche Auszeit, der Urlaub ein- oder zweimal im Jahr. Sondern der stinknormale, zumeist unaufgeregte Alltag. Manchmal außerordentlich
mühsam. Kräftezehrend. Und alles andere als einfach. Oder nicht (mehr)??
So oft habe ich überlegt, was ich anders machen könnte oder müsste. Mich belesen. In mich gehört. Anderen zugeguckt. Und immer wieder kleine Mosaiksteinchen gefunden. Wenn ich freundlich zu mir
bin, dann sage ich, dass dieser Weg kontinuierlich mich bis genau hierher geführt hat. An genau diese Stelle. Inklusive der vier Bandscheibenvorfälle und der damit verbundenen Schmerzen (allein
für sich genommen eine eigene Lektion). Dann sind alle Menschen, die mir begegnet sind, alle Situationen, die ich erlebt habe, alle kleineren Krisen und größeren Katastrophen, die ich mal gut,
mal weniger gut gemeistert habe, Stationen gewesen, die ich gebraucht habe.
Und was wäre nun meine Erkenntnis, meine Erleuchtung, mein Wissen, das alles revolutioniert?
Die Realität ist die Realität ist die Realität.
Nicht mehr, nicht weniger.
Der Moment für sich.. OHNE die Gedanken, die sich in meinem Kopf tummeln und stapeln und aufdrängen und zu einer Geschichte, zu einer gefühlten „Wahrheit“ formen. Es ist aber nur eine selektive
Wahrheit. Fußend auf dem, was ich bereits erlebt habe. Eine Ableitung aus meinen bisherigen Erfahrungen sozusagen. Es ist eine sehr persönliche, eindimensionale, genau genommen zensierte
„Wahrheit“.
Der Moment genau jetzt. Die absolute Wahrheit in diesem Moment. Die Realität, die da ist. OHNE gedanklichen Über- oder Unterbau. Und damit die Chance, inneren Frieden sehr schlicht zulassen zu
können. Weil ich zwar meine Gedanken wahrnehme, der Geschichte aber, die sich in meinem Verstand aufbaut, nicht zwangsläufig glauben muss. Es mag ein Körnchen Wahrheit darin liegen. Möglich. Und
doch bleibt der Moment der Moment. Die Realität eine ganz einfache Realität. Erst meine Gedanken machen die Sache kompliziert und das Leben womöglich zu einer Ansammlung von Krisen und
Katastrophen. Meines war für lange, lange Zeit genau das. Und damit wenig schön, glücklich oder erstrebenswert oder auch nur ansatzweise attraktiv. Und exakt genau so fühlte ich mich auch selbst.
Spannend eigentlich..
Widerstand gegen die Realität ist das, was mir am meisten begegnet, wenn ich Anderen zuhöre oder mir selbst zugucke. Die Menschen sollten nicht so miesepetrig sein. Es sollte nicht so heiß sein.
Mein Auto sollte nicht kaputt gehen. Mein Lieblingspony sollte nicht krank sein. Und so weiter.
ES IST ABER GENAU SO. Und entweder ich gehe dagegen in den Widerstand und reibe mich daran auf – dann ist mein Unglücklichsein vorprogrammiert. Denn ich ändere daran nichts. Die Menschen sind wie
sie sind. Das Wetter ebenso. Und ich habe es nicht in der Hand, wann mein Auto und warum kaputt geht, ebenso wenig wie mein Pony krank.
Oder???
Ich bin dem „oder“ auf der Spur. Zunehmend bin ich mir sicher, dass es weniger darum geht, etwas zu tun als vielmehr, etwas NICHT zu tun. Je weniger Aktionismus, desto einfacher wird es.
Den Moment (er)leben wie er genau jetzt ist. Meditieren und zur Ruhe kommen, Achtsamkeit und körperliche ENT-Spannung, aufmerksames Zuhören, ganz bei der Sache sein.. zielen in meinen Augen auf
genau das. Wahrnehmen, was ist. Annehmen, was ist. Und für mich sorgen, wenn ich merke, da zwickt etwas. Bei Bedarf kann dann ganz verschiedenes Werkzeug zu Hilfe genommen werden: achtsames
Spüren, wo ich emotional gerade stehe, hilfreiche Anstöße, Zitate oder Texte, um stressigen oder selbstschädigenden Gedanken auf die Spur zu kommen, Selbstfürsorge und die Wohltat, mir selbst in
Mitgefühl zu begegnen statt mit dem inneren Kritiker im Gepäck, das Erspüren des Inneren Kindes, weil ich weiß, dass ich ganz viel mit mir herumtrage, was sehr tief in die Vergangenheit zurück
geht, das ehrliche Hinterfragen der Situation und dem, was ich dazu denke und fühle und in mir spüre.. - alles, was hilft, meinen Blickwinkel zu wechseln bzw. zu erweitern.
Denn was auch immer passiert – ICH entscheide, wie ich damit umgehe. Und damit verantworte ICH, ob ich im Widerstand, möglicherweise mit viel Aggressionen behaftet im inneren Krieg mit dem Leben,
mit jemandem in meinem Umfeld oder/und sogar mit mir selbst bin. Oder ob ich mich für meinen inneren Frieden entscheide und aus diesem Bewusstsein heraus handle.
Alles eine Frage der Perspektive?
Ja, ich glaube schon. Und so einfach das klingt, so schwierig kann es manchmal sein.
Es ist eine Frage des persönlichen Blickwinkels.
Es ist eine Frage des eigenen Bewusstseins.
Es ist ein JA für das eigene Leben.. für den Moment jetzt.. für die Gegenwart im Wissen um die Vergangenheit und die Zukunft.. ein JA zu mir.
Das Leben lieben.. was sonst??