Orientierung gesucht!

Verloren gegangen...

 

Neulich ist es wieder passiert: ich bin mir selbst auf den Leim gegangen, habe mich selbst geblendet und bin mir selbst verloren gegangen. Dieses Mal, nachdem ich mit einer Freundin telefoniert habe, von der ich ewig nichts mehr gehört hatte. Sie hat mir von ihrem Berufsalltag erzählt, ihren Sorgen, was sie verändern möchte in der nächsten Zeit... und ich saß nur da, habe zugehört und Anteil genommen. Das wäre gut gewesen. Aber statt dessen wurde klammheimlich das Kleine Nörgeli in meinem Kopf aktiv. Und nach dem Telefongespräch wurde es zunehmend lauter... und mir wurde zunehmend mulmiger zumute.

 

Das Kleine Nörgeli (so nenne ich diese Stimme in meinem Kopf) macht das, was es am besten kann: es nörgelt an mir herum und am liebsten stellt es Vergleiche an, die natürlich niemals zu meinen Gunsten ausfallen: Auf dem Reitplatz reitet eine Kollegin, ich bewundere Pferd und Reiterin und denke zeitgleich: Wow, toll, aber das werde ich wohl niemals schaffen. Aufnahmeprüfung an der Musikhochschule, ich warte noch vor der Tür, während der (ich merke an:) zukünftige Kommilitone sein hervorragendes Vorspiel beendet und ich denke dabei: Oh je, da brauche ich ja gar nicht anzufangen.

 

Was das wirklich Schlimme daran ist: ich erkenne nicht immer gleich, dass das Nörgeli am Werke ist. Würde ich das erkennen, würde ich sofort gebührenden Abstand zu diesen mich frustrierenden Gedanken halten und mich so der damit einhergehenden Gefühle erwehren, mit denen ich mich dann ja quäle und im Grunde nur selbst behindere und schlimmstenfalls blockiere.

 

                   ... und wieder gefunden!

 

Georg Lolos hat ein, wie ich finde, wunderbares und zutiefst inspirierendes Buch geschrieben:
Du bist nicht, was du denkst. Wie wir aus der negativen Gedankenspirale aussteigen und den Kopf frei bekommen (Arkana Verlag, 3. Auflage 2019). Seitdem ich auf dieses Buch aufmerksam geworden bin, ist es zu meiner Lieblingsarbeitslektüre geworden und ich kann es wirklich von ganzem Herzen empfehlen. Ich verzichte an dieser Stelle auf eine Zusammenfassung, die lässt sich leicht und schnell recherchieren. Aber ich möchte darauf Bezug nehmen, weil es mir so unendlich wertvoll geworden ist in Situationen wie oben beschrieben, von denen ich weiß, dass sie nicht nur mir so passieren.

 

Eine ganz wesentliche Erkenntnis nämlich ist: Ich bin nicht meine Gedanken.


Keine Ahnung, wieviel Gedanken an einem Tag und womöglich auch nachts noch durch mein Hirn rauschen... und in meinem Fall sind da durchaus auch höchst unangenehme selbstentwertende und selbstschädigende Gedanken dabei... aber kein einziger davon trifft auf mich zu! Es sei denn, ich schenke ihm meine Aufmerksamkeit und glaube dem Gedanken. Das liegt aber ganz in meiner Hand, d.h. das entscheide ich und nur ich! Ein Gedanke ist eben nur ein Gedanke... einer unter vielen... ob er für mich Wert hat und ob ich ihm Platz in meinem Leben einräume - ganz allein meine Entscheidung! Diese Erkenntnis finde ich unglaublich befreiend. So schaffe ich den Schritt zu einer gesunden Distanz und bin nicht länger dem ausgeliefert, was mir das Kleine Nörgeli zu denken (und womöglich zu glauben) vorgibt. Ich kann in der Folge meine Aufmerksamkeit von den unliebsamen Gedanken samt den damit verknüpften Gefühlen weg hin zum gegenwärtigen Moment lenken (weiterlesen unter Weniger ist mehr)... ich kann den Blick heben und dem Licht des Leuchtturms folgen, in der sicheren Gewissheit, meinen inneren Anker wieder gefunden zu haben.